Die Behandlung des Typ-2-Diabetes hat sich in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt. Heute geht es nicht mehr ausschließlich darum, den Blutzuckerspiegel zu senken.
Je nach individueller Situation können bei der Wahl einer geeigneten Therapie auch der Schutz von Herz und Nieren, das Körpergewicht sowie die Verringerung zukünftiger gesundheitlicher Risiken eine wichtige Rolle spielen.
Damit verändert sich auch die zentrale Frage bei der Behandlung.
Nicht nur: „Wie hoch ist der Blutzucker?“ sondern auch: „Welche Therapie passt am besten zur gesundheitlichen Gesamtsituation dieses Menschen?“
Das Wichtigste auf einen Blick
- Moderne Diabetesmedikamente können über die reine Blutzuckersenkung hinaus weitere gesundheitliche Vorteile bieten.
- Bestimmte Wirkstoffe aus den Gruppen der SGLT2-Hemmer und GLP-1-basierten Therapien können bei geeigneten Patientinnen und Patienten insbesondere im Hinblick auf Herz, Nieren und Körpergewicht eine wichtige Rolle spielen.
- Welche Therapie geeignet ist, muss individuell entschieden und ärztlich begleitet werden.
SGLT2-Hemmer: Wenn die Niere Teil des Wirkprinzips wird
Zu den bekannten Wirkstoffen dieser Gruppe gehören unter anderem:
- Empagliflozin
- Dapagliflozin
SGLT2-Hemmer wirken an den Nieren.
Vereinfacht erklärt sorgen sie dafür, dass ein Teil der Glukose nicht wieder in den Körper zurückgeführt, sondern über den Urin ausgeschieden wird.
Dadurch kann der Blutzuckerspiegel gesenkt werden.
Ihre Bedeutung geht jedoch bei bestimmten Patientengruppen über die reine Blutzuckersenkung hinaus.
Herz und Nieren im Blick
Bestimmte SGLT2-Hemmer können bei entsprechend ausgewählten Patientinnen und Patienten dazu beitragen, das Risiko einer Krankenhausaufnahme aufgrund einer Herzinsuffizienz zu reduzieren.
Darüber hinaus können sie bei bestimmten Patientengruppen das Fortschreiten einer chronischen Nierenerkrankung verlangsamen.
Das zeigt einen wichtigen Wandel in der modernen Diabetestherapie:
Der Erfolg einer Behandlung wird nicht ausschließlich daran gemessen, wie stark der Blutzucker sinkt. Auch der mögliche Schutz wichtiger Organe kann bei der Therapieentscheidung eine Rolle spielen.
SGLT2 · das Wirkprinzip verstehen
- Glukose im Blut
- Filtration in der Niere
- Verminderte Rückaufnahme von Glukose
- Mehr Glukose wird mit dem Urin ausgeschieden
Welche Nebenwirkungen und Vorsichtsmaßnahmen sind wichtig?
Wie jedes Medikament können auch SGLT2-Hemmer Nebenwirkungen verursachen.
Dazu gehören unter anderem Pilzinfektionen im Genitalbereich.
Durch die vermehrte Flüssigkeitsausscheidung kann es außerdem zu Flüssigkeitsmangel und einem Blutdruckabfall kommen. Dies kann insbesondere bei älteren oder entsprechend gefährdeten Menschen relevant sein.
Eine seltene, aber ernst zu nehmende Komplikation ist die diabetische Ketoazidose.
Sie kann unter bestimmten Umständen auch auftreten, ohne dass der Blutzucker außergewöhnlich stark erhöht ist.
Bei akuten Erkrankungen, ausgeprägtem Flüssigkeitsverlust, längerem Fasten oder vor geplanten Operationen kann eine vorübergehende Unterbrechung der Therapie erforderlich sein.
Ob und wann ein Medikament pausiert werden soll, muss jedoch ärztlich entschieden werden. Medikamente sollten nicht eigenständig abgesetzt oder verändert werden.
GLP-1-basierte Therapien: Blutzucker und Gewicht gemeinsam betrachten
Zu den bekannten Wirkstoffen dieser Gruppe gehören beispielsweise:
- Semaglutid
- Liraglutid
- Dulaglutid
Diese Wirkstoffe ahmen die Wirkung des körpereigenen Darmhormons GLP-1 nach.
Sie fördern bei erhöhtem Blutzuckerspiegel die Insulinausschüttung, beeinflussen die Magenentleerung und können das Sättigungsgefühl verstärken.
Dadurch können sie sowohl die Blutzuckerkontrolle verbessern als auch die Gewichtsabnahme unterstützen.
Einige dieser Präparate werden als Injektion verabreicht, teilweise einmal wöchentlich. Semaglutid ist in bestimmten Darreichungsformen auch als Tablette verfügbar.
Mehr als Gewichtsabnahme
GLP-1-basierte Therapien werden häufig mit Gewichtsreduktion in Verbindung gebracht. Ihr medizinischer Stellenwert geht jedoch darüber hinaus.
Für bestimmte Wirkstoffe dieser Gruppe wurden bei ausgewählten Patientengruppen positive Effekte auf das Herz-Kreislauf-Risiko gezeigt.
Auch mögliche Vorteile für die Nieren spielen bei der Bewertung einzelner Wirkstoffe und bestimmter Patientengruppen zunehmend eine Rolle.
Die Entscheidung für eine Therapie sollte deshalb nicht allein aufgrund ihres möglichen Effekts auf das Körpergewicht getroffen werden.
Welche Nebenwirkungen können auftreten?
Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören Beschwerden des Magen-Darm-Trakts, insbesondere:
Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder Verstopfung.
Diese Beschwerden treten besonders zu Beginn der Behandlung oder nach einer Dosiserhöhung auf.
Die Dosierung wird deshalb in der Regel schrittweise angepasst, um die Verträglichkeit zu verbessern.
Eine regelmäßige ärztliche Betreuung und – abhängig von der individuellen Situation – entsprechende Kontrolluntersuchungen bleiben wichtig.
GLP-1 · mehr als ein Gewichtseffekt
- GLP-1-Wirkung nachahmen
- Glukoseabhängige Insulinantwort
- Magenentleerung und Sättigung beeinflussen
- Blutzuckerkontrolle und Gewicht unterstützen
- Herz-Kreislauf-Vorteile bestimmter Wirkstoffe bei geeigneten Gruppen
SGLT2 oder GLP-1 – was ist besser?
Darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort.
Es gibt nicht das eine Diabetesmedikament, das für alle Menschen gleichermaßen geeignet ist.
Bei der Therapieentscheidung können unter anderem folgende Faktoren eine Rolle spielen:
- Blutzuckereinstellung
- Körpergewicht
- Nierenfunktion
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Herzinsuffizienz
- Begleiterkrankungen
- Verträglichkeit
- individuelle Lebenssituation
- Kosten und Verfügbarkeit
Bei manchen Patientinnen und Patienten kann auch eine Kombination verschiedener Wirkstoffgruppen sinnvoll sein.
Die Entscheidung sollte jedoch immer individuell und gemeinsam mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt getroffen werden.
Was die ärztliche Entscheidung berücksichtigt
- Blutzucker
- Körpergewicht
- Nierenfunktion
- Herz-Kreislauf-Erkrankung / Herzinsuffizienz
- Begleiterkrankungen
- Verträglichkeit
- Individuelle Situation
- Individuelle medizinische Entscheidung
Moderne Diabetestherapie bedeutet individuelle Medizin
Die Entwicklung moderner Medikamente eröffnet neue Möglichkeiten in der Behandlung des Typ-2-Diabetes.
Gleichzeitig macht sie die Therapieentscheidung individueller.
Es geht nicht darum, das „modernste“ oder bekannteste Medikament auszuwählen.
Entscheidend ist vielmehr:
Welche Behandlung bietet für diesen Menschen – unter Berücksichtigung seiner gesundheitlichen Gesamtsituation – den größten medizinischen Nutzen bei vertretbaren Risiken?
Visuelle Zusammenfassung des Artikels
Erstellt von Reemora Medical
Diabetes und Blutzucker.
Textfassung des Erklärfilms
0–4.6 · Diabetes und Blutzucker
Diabetes und Blutzucker.
4.6–11.8 · Herz
Herz und Kreislauf.
11.8–17 · Nieren
Die Nieren im Blick.
17–23.3 · Moderne Behandlung
Bei geeigneten Wirkstoffen und Patientengruppen können zusätzliche Herz- und Nierenvorteile eine Rolle spielen.
23.3–27.3 · Individuelle ärztliche Entscheidung
Welche Therapie geeignet ist, hängt von der individuellen Situation ab.
27.3–32 · Individuelle ärztliche Entscheidung
Die Entscheidung erfolgt gemeinsam mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt.
Medikamente sind nur ein Teil der Behandlung
Auch moderne Medikamente ersetzen nicht die grundlegenden Säulen einer guten Diabetesversorgung.
Dazu gehören insbesondere:
- eine ausgewogene Ernährung
- regelmäßige körperliche Aktivität
- die Kontrolle des Blutzuckers
- die Kontrolle des Blutdrucks
- die Überwachung der Nierenfunktion
- regelmäßige ärztliche Kontrollen und Laboruntersuchungen
Die langfristige Behandlung des Typ-2-Diabetes ist deshalb immer ein Zusammenspiel verschiedener Maßnahmen.
Die wichtigste Botschaft
Ändern oder beenden Sie Ihre Diabetesmedikation nicht eigenständig.
Gerade bei bestehenden Herz- oder Nierenerkrankungen, akuten Erkrankungen, Flüssigkeitsmangel, geplanten Operationen oder anderen besonderen Situationen sollte die Medikation mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt abgestimmt werden.
Prim. Dr. Shadi Abu Daher Facharzt für Innere Medizin und Nephrologie
Reemora Medical Insights · World Diabetes Day 2026 · Expert Perspectives
Medizinischer Hinweis
Dieser Beitrag dient der allgemeinen medizinischen Information und Gesundheitsaufklärung. Er ersetzt keine individuelle ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Therapieempfehlung.
Medikamente sollten nur nach ärztlicher Rücksprache begonnen, verändert oder abgesetzt werden.
Quellen & medizinische Referenzen
Quellen stützen die allgemeinen Aussagen; sie ersetzen nicht die ausstehende medizinische Freigabe des Beitrags.
- KDIGO 2024 · CKD guideline, 3.7–3.9
- EMA · Empagliflozin: mechanism, safety, heart / kidney outcomes
- EMA · Dapagliflozin: heart failure and CKD evidence
- EMA · Semaglutide: mechanism, gastrointestinal safety, titration and outcomes
- EMA · Oral semaglutide: mechanism and tablet formulation
- FLOW · Perkovic et al., NEJM 2024 · selected T2D + CKD population
- Medizinischer Experte
- Prim. Dr. Shadi Abu Daher
Facharzt für Innere Medizin und Nephrologie - Veröffentlicht
- Veröffentlicht am 2. November 2026 · vom Autor freigegeben
- Letzte medizinische Prüfung
- Veröffentlichung vom Autor freigegeben; keine zusätzliche unabhängige medizinische Prüfung ausgewiesen.
Frag MORA zu diesem Artikel
Was bedeutet SGLT2?Was bedeutet GLP-1?Warum sind Herz und Nieren bei Diabetes wichtig?Die Fragen verweisen auf den Artikeltext und sind keine MORA-Antworten. Live-Dialog bleibt bis zur nachgewiesenen sicheren Artikelbegrenzung deaktiviert. Kein neuer Chatbot; globale MORA unverändert.
Weitere Expert Perspectives
Hier erscheinen ausschließlich freigegebene Beiträge der Kampagne.
Reemora Medical Insights →Arztprofil Dr. Shadi


